1. Sinfoniekonzert

Felix Mendelssohn Bartholdy
Konzert für Klavier und Orchester
Nr. 1 g-Moll op. 25

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 9 d-Moll WAB 109

Klavier • Ragna Schirmer
Dirigent • Hermann Bäumer
© Maike Helbig

Ragna Schirmer · Pianistin

Die Pianistin Ragna Schirmer erfreut sich seit Jahren höchster Anerkennung bei Konzertpublikum und Fachkritik. Ihre Interpretationen zeichnen sich durch die Kunst der Nuance sowie die Liebe zum Detail auf der Suche nach verborgenen historischen und zeitgenössischen Bezügen aus. 1992 und 1998 erhielt sie den Bach-Preis der Stadt Leipzig – sie ist bisher die einzige Pianistin, die diesen Preis zweimal verliehen bekam. Im Jahr 2000 sorgte sie mit ihrer Einspielung von Bachs Goldbergvariationen für ein aufsehenerregendes CD-Debüt. Für die Gesamtaufnahme der Klaviersuiten von Georg Friedrich Händel wurde sie mit dem Händel-Preis der Stadt Halle geehrt. 2003 und 2009 erhielt sie den ECHO Klassik.

Ihre Einspielungen umfassen mittlerweile 17 CDs, eine Vinyl und eine DVD. Neben zwei hochgelobten Haydn-Alben verzeichnet Ragna Schirmers Diskographie Kompositionen von Beethoven, Mendelssohn, Chopin, Schumann, Brahms, Schmidt, Schnittke, Corigliano und Connesson. Zum Liszt-Jahr 2011 legte sie eine Gesamteinspielung der „Années de Pèlerinage“ vor, die sie mit Madrigalen der italienischen Renaissance zu einer sinnstiftend schönen Kombination verband. Gemeinsam mit drei Ensembles wagte die Pianistin 2013 ein Experiment mit Händels Orgelkonzerten, bei dem sie neben dem klassischen Konzertflügel auch einen barocken Hammerflügel und  eine moderne Hammond-Orgel spielte.

In ungewöhnlichen Projekten lässt sich das dramaturgische und programmatische Geschick der Künstlerin erkennen. Dies stellt sie nicht nur in moderierten Klavierabenden unter Beweis, sondern ist darüber hinaus auch in  genreübergreifenden Theaterproduktionen zu erleben, die eigens für sie geschrieben und inszeniert werden: das 2012 uraufgeführte „Blendwerk“ mit Christian Brückner oder das Ravel-Projekt „Konzert für eine taube Seele“ mit dem Puppentheater Halle, welches mehr als 100 mal aufgeführt wurde.

Ein Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit ist die Beschäftigung mit Leben und Werk von Clara Wieck-Schumann. Zum Schumann-Jahr 2006 entstand das Projekt „Ich möchte lachen vor Todesschmerz“, in dem Ragna Schirmer gemeinsam mit dem Schauspieler Dominique Horwitz in Klang und Wort von der ebenso fruchtbaren wie schwierigen Beziehung zwischen Robert und Clara erzählt. Zum 175. Hochzeitstag der Schumanns 2015 spielte sie die CD „Liebe in Variationen“ ein – eine Reminiszenz an die in Tönen verwobenen musikalischen Botschaften zwischen Clara, Robert und Johannes Brahms. 2017 erschien „Clara“, eine Aufzeichnung des Klavierkonzertes der jungen Clara Wieck. 2018 wurde das Stück „Clara – ein Spiel für Ragna Schirmer und Puppen“ uraufgeführt.

 Im Clara Schumann-Jahr 2019 feierte Schirmer die Pianistin und Komponistin mit über 100 Konzerten, bei denen sie nicht nur Clara Schumanns Kompositionen, sondern auch zahlreiche ihrer Konzertprogramme an den originalen Spielorten wiederaufführte. Schon 2017 brachte sie im Barocksaal Rostock das erste Konzert dieser Reihe zur Aufführung – auf den Tag genau 150 Jahre nach dem Konzert Clara Schumanns am 24.11.1867 im selben Saal. Im Frankfurter Holzhausenschlößchen durfte Ragna Schirmer 2011 den eigenen Flügel von Clara Schumann in zwei Konzerten spielen: „Hier begann meine Faszination für historische Instrumente“, sagt die Pianistin, die seitdem gerne historische Flügel für ihre Konzerte in die Säle bestellt, um dem Klang der Werke zu ihrer Entstehungszeit möglichst nah zu sein.

Für ihr aktuelles Album „Madame Schumann“ (2019) spielte Ragna Schirmer zwei Original-Konzertprogramme Clara Schumanns ein und erhielt dafür großes Lob von der Fachpresse.

Als „[eine] Klavier-Allrounderin mit wachem historischen Bewusstsein“ betitelte DER SPIEGEL Ragna Schirmer; die CD verschaffe „einem zumindest die Illusion, eine Interpretin könnte nach 147 Jahren noch einmal reale Gegenwart werden“, schriebdie FAZ. Im April 2019 wurde die Pianistin gemeinsam mit der Musikwissenschaftlerin Janina Klassen mit dem Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau ausgezeichnet, „für ihre jahrzehntelange Auseinandersetzung besonders mit Clara Schumann“.

Ragna Schirmer konzertiert in den wichtigsten Sälen in Europa, China und Neuseeland sowie bei renommierten Festivals wie dem Heidelberger Frühling, dem Beethovenfest Bonn, dem MDR-Musiksommer, den Haydn-Festspielen Eisenstadt, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, dem Rheingau Musik Festival, dem Mozartfest Würzburg und den Salzburger Festspielen. Sie musizierte u.a. mit Zubin Mehta, Sir Roger Norrington, Kurt Masur, Sir Neville Marriner, Herbert Blomstedt und trat mit Klangkörpern wie den Münchner Philharmonikern, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Orchestre National de France, dem Gewandhausorchester Leipzig und der Academy of St. Martin in the Fields auf.

Neben Ihrer Konzerttätigkeit unterrichtet Ragna Schirmer seit vielen Jahrzehnten mit großer Leidenschaft. Sie gibt regelmäßig Meisterkurse sowie Seminare zu den Themen Lampenfieber und Auftrittstraining. Von 2001 bis 2011 hatte sie eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim inne, seit 2009 widmet sie sich erfolgreich der Begabten-und Hochbegabtenförderung am Musikzweig der Latina August Hermann Francke in Halle an der Saale.

Auch kulturpolitisch engagiert sich Ragna Schirmer seit vielen Jahren. Von 2008 bis 2013 war sie zunächst Mitglied, dann Präsidentin des Kultursenats Sachsen-Anhalt. Sie setzt sich in verschiedenen Projekten für die Wahrnehmung der Kultur in den Medien ein und versucht – auch und vor allem in schwierigen Zeiten wie der Corona-Pandemie – mit kreativen Ideen Zeichen zu setzen. Jan Brachmann betitelte sie in der FAZ als “politisch eine der klügsten, umsichtigsten und tatkräftigsten Künstlerinnen unseres Landes”. Für ihre Leistungen erhielt Ragna Schirmer 2015 den Bürgerpreis der Stadt Halle.

© Felix Broede

Hermann Bäumer · Chefdirigent und Generalmusikdirektor

 

Hermann Bäumer ist seit der Spielzeit 2011/2012 Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz sowie Generalmusikdirektor des dortigen Staatstheaters. Seine durchdachten und einfallsreichen Programme sowie die Auseinandersetzung mit außergewöhnlichem musikdramatischem Repertoire (u.a. deutsche Erstaufführung von Dusapins Perela, Langgaards Antichrist, Saariahos Adriana Mater und Aphergis` Avis de Tempete) bescheren ihm großen Zuspruch von Publikum und Fachpresse.

Als einstiger Berliner Philharmoniker weiß er um die Raffinessen guter Orchesterarbeit und wird für seine bescheidene und der Musik verpflichteten Art von Orchestern auf der ganzen Welt geschätzt.

Er dirigierte Orchester wie die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Orchester der Komischen Oper Berlin, die Bamberger Symphoniker, das Bayerische Staatsorchester München, das hr-Sinfonieorchester, das Ensemble Resonanz und das Ensemble Modern, das Orchester der Norwegischen Staatsoper Oslo sowie das New Japan Philharmonic Orchestra und das Tokyo Symphony Orchestra. Seit der Saison 2016/17 ist er zudem „Conductor in residence“ bei den Hofer Symphonikern.

Darüber hinaus ist Hermann Bäumer landesweit für seine Jugendarbeit geschätzt, die sich in der regelmäßigen Zusammenarbeit mit zahlreichen Jugendorchestern wie dem Bundesjugendorchester (BJO) und dem Landesjugendorchester (LJO) Rheinland-Pfalz äußert.

Von 2004 bis 2011 war er Generalmusikdirektor des Osnabrücker Sinfonieorchesters und bekam für die Einspielung der 1. und 2. Sinfonie des Komponisten Josef Bohuslav Foerster einen ECHO Klassik. Mit dem Iceland Symphony Orchestra hat er die beiden Oratorien Edda I und II des isländischen Komponisten Jon Leifs uraufgeführt und auf CD eingespielt.

Mit dem Label cpo verbindet ihn eine langjährige Partnerschaft und so entstanden Aufnahmen von Bruch, R. Strauss, Gernsheim, Gounod, Röntgen u.a. mit der NDR Radiophilharmonie Hannover, der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken/Kaiserslautern, dem Philharmonischen Staatsorchester Mainz, dem Osnabrücker Sinfonieorchester und dem Kristiansand Symphony Orchestra.

In Mainz dirigiert Hermann Bäumer nicht nur beeindruckende Sinfoniekonzerte –  2018/2019 für das „Beste Konzertprogramm der Saison“ durch den Deutschen Musikverleger-Verband ausgezeichnet –,  sondern zeigt sich natürlich auch als versierter Operndirigent. Zu den Höhepunkten der vergangenen Spielzeiten zählen unter anderem Ligetis Le Grand Macabre, Wagners Die Meistersinger von Nürnberg, Poulencs Dialogues des Carmélites, Mathis der Maler von Paul Hindemith und Boris Godunow von Modest Mussorgskij.

Im Frühjahr 2020, während der Corona-Pandemie, entstand am Staatstheater Mainz in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jan-Christoph Gockel und in Kooperation mit dem ZDF/3sat der Film Beethoven - Ein Geisterspiel.